| Zwei Zen-Mönche … |
| … waren auf der Wanderschaft, und eines Tages kamen sie an einen Fluss. |
| Am Ufer stand eine junge Frau mit wunderschönen Kleidern. |
| Es war offensichtlich, dass die Frau über den Fluss wollte, |
| doch da das Wasser sehr tief war, |
| konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen. |
| Einer der Mönche ging ohne zu zögern auf die Frau zu, |
| hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. |
| Am anderen Ufer |
| setzte er die junge Frau in trockenen und unbeschädigten Kleidern ab. |
| Der zweite Mönch war den beiden stillschweigend hinterher gegangen, |
| die beiden Mönche setzten ihre Wanderung wieder fort. |
| Eine Stunde des Stillschweigens verging, |
| da fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: |
| "Du weißt, dass das, was du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? |
| Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. |
| Wie konntest du nur gegen diese Regel verstoßen?" |
| Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, |
| hörte sich die Vorwürfe des anderen aufmerksam an. |
| Dann antwortete er ruhig: |
| "Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt |
| – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?" |
| Überlieferung |
| unbekannt |